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J wie Jenseits – Über Spuren des Religiösen im Bodybuilding

Bodybuilding Religion

Auf den ersten Blick hat Bodybuilding wenig gemeinsam mit der Religion. Schon gar nicht mit den großen monotheistischen Religionen, also dem Judentum, dem Christentum und dem Islam. Der Grund dafür scheint klar. Gewöhnlich versprechen Religionen Spiritualität und Transzendenz. Der physische Körper kann da störend wirken. Insbesondere das Christentum wertete den Körper, ja die irdische Existenz als solche ab und wandte sich dem Geistigen und der Ewigkeit zu. Die Bibel ist ein Buch der Weltentsagung, ein Protestbrief gegen irdische Dekadenz und Machtmissbrauch. Ausnahmen wie der Korinther-Brief, in dem der Körper als Tempel gewürdigt wird, oder das erotische Hohelied bestätigen die Regel. Ein Christ im Porsche Panamera oder ein Christ im Malediven-Urlaub ist und bleibt deshalb irritierend.

Bodybuilding hingegen ist vordergründig ganz im Sinnlichen verhaftet. Alles dreht sich um den Körper, alles um irdische Eitelkeit. Zwar stellen manche Bodybuilder, etwa Ronnie Coleman oder Branch Warren, ihre Körper in den Dienst ihres christlichen Glaubens. Doch wirklich überzeugend ist das nicht. Wir kennen kein elftes Gebot, das besagen würde: „Du sollst Deine Muskeln bis zum Maximum aufpumpen!“ Gott vergibt keine Mr.-Olympia-Titel.

Vergibt Gott wirklich keine Mr.-Olympia-Titel? Natürlich ist Gott kein Funktionär der IFBB (zumindest steht nichts darüber in der Bibel). Doch es gibt mehr Verbindungen zwischen christlichem Glauben und Bodybuilding, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Sich mit ihnen auseinanderzusetzen ist allemal lohnender, als die altbekannten Differenzen wiederzukäuen.

Ein erstes Indiz finden wir in dem lesenswerten Buch Böse Philosophen. Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung von Philipp Blom. Der Autor geizt darin nicht mit Kritik an der heutigen Körperkultur. Doch nicht etwa deshalb, weil er ihre Frivolitäten und Exzesse als typisch modern, also als materialistisch und gottvergessen einstufen würde. Sondern weil er sie im Gegenteil als Fortsetzung der alten christlichen Körperfeindlichkeit interpretiert – nur eben mit körperlichen Mitteln. Eine Passage ist es wert, in voller Länge zitiert zu werden:

Die Gläubigen des westlichen Evangeliums der kapitalistischen Freuden hassen ihre Körper fast genauso wie die Nonnen und Mönche von einst. Fromme Christen fasteten, um ihren Körper zu kasteien, versagten sich alltägliche Genüsse und taten alles, um ihr Verlangen zu ersticken und ihren Selbstrespekt zu zerstören – sie hungerten ihren sterblichen Körper aus, um im eigentlichen, ewigen Leben umso glücklicher zu sein. Ihre modernen, säkularen Nachfolger fasten nicht mehr, um ihre unsterbliche Seele zu retten – sie halten Diät, versagen sich alltägliche Genüsse, jagen dem Idealbild eines jugendlichen Körpers nach, den sie nie mehr haben werden, fühlen sich dauernd schuldig dafür, dass sie so alt sind, zu schlaff, nicht gut in Form, nicht so, wie sie sein sollten. (Blom 2010, S. 21).

So weit, so bedenkenswert. Doch die Sache ist komplizierter. Die christliche Ablehnung des Körpers ist weniger eindeutig, als Blom in seiner Kritik suggeriert. Tatsächlich sahen einige christliche Autoren im Sinnlichen eine Vorstufe des Übersinnlichen und versprachen ihren Anhängern sogar einen Idealkörper – nur nicht im Hier und Jetzt, sondern im Jenseits. Man könnte sagen, dass sie die irdische Existenz als entbehrungsreiches Supersatz-Training definierten, dessen Effekte sich erst nach dem Ableben im Himmel zeigen sollten. Das Leben auf Erden galt als Definitionsphase, die Wiederauferstehung als krönender Posedown.

Ein Kronzeuge dieser eigenartigen Denkweise ist der Kirchenlehrer Augustinus (354–430 n. Chr.). Einerseits wurde er nicht müde, den Körper abzuwerten und vor sinnlichen, vor allem sexuellen Ausschweifungen zu warnen (nachdem er sich ihnen selbst hingegeben hatte, wie er in seinen Confessiones (400 n. Chr.) in pathetischen Litaneien offenbart).

Andererseits entwickelte Augustinus die eigenartige Lehre von der „Auferstehung des Fleisches“. Abweichend von der Lehre des Paulus behauptete er, dass der Mensch im Jenseits noch immer einen Körper besitzen würde. Komplett mit Haaren, Muskeln und Eingeweiden. Doch dieser Körper wäre von allen Makeln seines irdischen Prototyps befreit. Selbst in seinen Gefäßen würden keine ekeligen Flüssigkeiten, sondern süße Säfte fließen.

Es ist schon erstaunlich. Wenn das ewige Leben rein und von geistiger Natur sein soll, warum überhaupt ein postmortaler Körper? Der Jenseitskörper, den Augustinus imaginierte, erinnert verdächtig an die Über-Körper, die wir aus der Werbung kennen. So perfekt, dass sie nicht von dieser Welt zu stammen scheinen. Die Interpretation liegt nahe, dass auch das Christentum nicht umhin kam, den sinnlichen Reiz und den Wert eines „guten Körpers“ anzuerkennen. Nie sollte vergessen werden, dass es das Christentum war, welches mit Jesus eine Verkörperung der göttlichen Idee erfand. In der Moderne wurde der Reiz des perfekten Körpers vom Kopf auf die Füße und damit zurück auf die Erde gestellt.

Heidi Klum statt Heiligtum.

Begegnen wir im Christentum einer versteckten Huldigung des perfekten Körpers, so begegnen wir im Bodybuilding wiederum zahlreichen Lobgesängen auf den perfekten Geist. Schon der erste Bodybuilder überhaupt, Eugen Sandow (1867–1925), wurde nicht müde, die Kraft des Geistes zu loben. Für ihn war Körpertraining immer auch Konzentrations- und Willensschulung, Selbstkontrolle, Selbstdisziplinierung. Im Jahr 1897 schrieb er: „Exercise, indeed, without using the mind in conjunction with it, is of no use. It is the brain which develops the muscles.

Einer von Sandows Einflüssen war das sogenannte „Muskelchristentum“ oder „Muscular Christianity“, eine sportversessene Strömung des Christentums im viktorianischen England. Ein gut trainierter Körper galt den Anhängern der Bewegung, darunter der Schriftsteller Thomas Hughes, als Spiegelbild der Glaubenskraft.

Heute sind es Bodybuilder wie Kai Greene, die die Szene auch ohne Verweise auf eine konkrete Religion daran erinnern, dass Bodybuilding mehr bedeuten kann als dicke Muskeln, dicke Autos und dicke Geldbeutel. Für Greene ist Bodybuilding sogar eine Form der Meditation und der Erkenntnissuche, also eine primär geistige Tätigkeit: „Der Geist ist alles“, sagte er in einem Interview. Was zunächst absurd scheinen mag – inwiefern sind Bizeps-Curls besonders geistreich? –, ist plausibel, wenn man sich vor Augen führt, dass Begriffe wie „Form“ oder „Formung“ schon in der antiken Philosophie geistig besetzt waren. Was geformt wird, wird vergeistigt oder, wie Aristoteles meinte, „beseelt“. Und natürlich sind Body-Builder immer auch Body-Former. Anders ausgedrückt:

Im Bodybuilding ist der Körper reine Formsache.

Vergleichbar mit Mönchen, die ihre Tage strengen Ritualen und Exerzitien unterwerfen und sich dadurch aus der Willkür der Natur davonstehlen, transzendieren gute Bodybuilder ihre Körper durch endlose, quälende, rituelle Trainingsroutinen. Das Fleisch ist nun ein Objekt der Kontrolle. Was anfänglich formlos erschien, wird rigoros durchgestaltet. Der Mensch wiederholt gleichsam, was Gott im 1. Buch Moses vormachte: Menschenformung. Vielsagend ist, dass Greenes Markenzeichen ein Kapuzenpullover ist, der ihm eine mönchische Anmutung verleiht. Seinen Blog für das Flex Magazine nennt er „treadmill confessions“ – „Konfession“ ist ein theologischer Begriff, der, wie oben erwähnt, schon von Augustinus verwendet wurde.

So lässt sich festhalten, dass Gegensätze mitunter deshalb bestehen, weil zwei Dinge einander sehr ähnlich sind – wie gleich gepolte Magnete, die sich gegenseitig abstoßen. Bodybuilding und Religion – wobei ich hier nur die christliche erwähnen konnte – begegnen einander und verfehlen sich doch auf der Jagd nach dem perfekten Körper, der mehr Geist ist als Fleisch.

Autoreninformation:

Dr. Jörg Scheller lebt als Kunstwissenschaftler und Journalist in Bern (CH) und Stuttgart. Er lehrt an der Zürcher Hochschule der Künste und an der Universität Siegen. Zuletzt erschien von ihm:

Bild Quelle jannalauren flickr

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Jörg Scheller
 

Jörg Scheller lebt als Kunstwissenschaftler und Journalist in Zürich und Stuttgart. Er forscht am Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft und lehrt an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Zuletzt erschien von ihm: No Sports! Zur Ästhetik des Bodybuildings, Stuttgart: Franz Steiner, 2010.

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