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F wie Freiheit – Bodybuilding zwischen Entscheidung und Zwang

Arnold Schwarzenegger

Arnold Schwarzenegger

Bodybuilding und Freiheit in einem Atemzug zu nennen, mag vielen Menschen eigenartig vorkommen. Wann immer ich mit Nicht-Bodybuildern eine Unterhaltung über Bodybuilding führe, kommt die Rede auf „zwanghaftes Verhalten“.

Bodybuilder, so meine Erfahrung, werden ähnlich wahrgenommen wie Anorektiker, die sich auf ein möglichst niedriges Gewicht herunter hungern – mit dem einzigen Unterschied, dass Bodybuilder möglichst viel Masse anstreben. Der Psychiater Harrison Pope prägte dafür den Begriff „Bigorexie“, was so viel wie „Muskelsucht“ in Anlehnung an „Magersucht“ (Anorexie) bedeutet.

So betrachtet, sind Bodybuilder in der Tat fundamental unfrei. Sie sind Gefangene, ja Sklaven ihrer Körper, für die sie eine Art Hyper-Bewusstsein entwickeln.

  • Kein Urlaub mehr ohne das Problem: Wie kann ich das Training fortsetzen?
  • Keine Mahlzeit mehr ohne die Frage: Enthält sie genügend Eiweiß?
  • Kein Blick in den Spiegel mehr ohne den Zweifel: Stehen Brust und Rücken, Bizeps und Trizeps noch in einem wohlproportionierten Verhältnis zueinander?

Weil Bodybuilding mehr ist als Fitness oder ein bisschen Sport, wird es oftmals zur bestimmenden Komponente im Leben der Praktizierenden.

Betrachtet man den Begriff „Freiheit“ genauer, sieht die Sache anders aus. Es wäre eine Illusion zu glauben, Freiheit bedeute Zwanglosigkeit oder eine Position außerhalb jeglicher Machtstrukturen.

Freiheit bedeutet vielmehr, die Macht und die Zwänge, denen man sich im Leben zwangsläufig unterordnen muss, selbst zu wählen.

  • So schränken Orchestermusiker ihre Freiheit ein, indem sie sich rigorosen Übungs- und Probeplänen unterwerfen.
  • Manager verpflichten sich dem shareholder value, der ihre Handlungen stark normiert.
  • Politiker machen sich abhängig von der Gunst der Wähler, um die sie beständig werben müssen.

Keiner von ihnen kann den Status quo akzeptieren und strebt wie der Bodybuilder über ihn hinaus. Trotzdem würde sich keiner von ihnen als unfrei oder gar krank bezeichnen, da alle ihre Abhängigkeitsverhältnisse – normalerweise – selbst gewählt haben.

Und wenn Harrison Pope verwundert feststellt, dass selbst eminent muskulöse Bodybuilder sich als zu schmächtig empfinden, so müsste man sich doch fragen:

  • Wie kommt es, dass heute selbst diejenigen, die in Sicherheit und Wohlstand leben, ihren Lebensstandard stets als unzureichend empfinden?
  • Wie kommt es, dass wir heute eine Geschwindigkeit von 120 km/h als gemütlich einstufen, während im 19. Jahrhundert 30 km/h als teuflische Raserei galten?
  • Wie kommt es, dass wir unsere Lebenserwartung immer weiter steigern wollen, obwohl sie bereits doppelt so hoch ist wie vor ein paar hundert Jahren?
  • Sind wir nicht alle eminent unfrei, insofern unsere Träume und Ansprüche grenzenlos geworden sind?

Plus ultra – mit diesem treffenden Begriff umschrieb der Ökonom Joseph Schumpeter den unternehmerischen Geist der Moderne.

Die Frage ist also nicht, ob Bodybuilding frei oder unfrei macht, sondern ob es frei gewählt wird. Diese Frage lässt sich heute wohl in den meisten Fällen bejahen. Zwar laufen wir alle beständig Gefahr, eine Gehirnwäsche durch die unablässige Begegnung mit den Idealkörpern aus den Massenmedien verpasst zu bekommen. Gegen eine solche Gehirnwäsche aber kann bestens vorgesorgt werden, indem man die gute alte Losung des Philosophen Immanuel Kant beherzigt: sapere aude! Wage, selbst zu denken!

Man wird dann unschwer feststellen, dass ein Ideal nur solange ein Ideal ist, wie jeder vorbehaltlos daran glaubt.

Früher galt Körperfülle als Ausdruck von Erfolg, heute ist es genau umgekehrt. Wer also einen Idealkörper anstrebt, sollte sich bewusst sein, dass Ideale relativ sind – schon befindet man sich in einer gesunden ironischen Distanz zu sich selbst. So wird man wohl eher betonen, man habe sich von seinem alten, nicht frei gewählten Körper verabschiedet, anstatt die vermeintliche „Perfektion“ des neuen zu loben.

Hat man sich aus freien Stücken dafür entschieden, Bodybuilding zu betreiben, und ist man darüber hinaus in der Lage, sein Tun unvoreingenommen zu reflektieren, so spricht nichts gegen die Einschränkungen und Zwänge, die mit Bodybuilding einher gehen. Im Gegenteil. In den liberalen Zeiten, in denen wir zum Glück – noch – leben, empfindet Mancher den Zwang sogar als wohltuend, nämlich als Alternative zum „anything goes“.

Bodybuilding strukturiert und regelt den Alltag, kommt zugleich der Sehnsucht nach dem Grandiosen und Extremen zugute, ist aber mit keiner Ideologie verbunden – Arnold Schwarzenegger, der als Gouverneur munter zwischen links und rechts wechselte, machte es vor. Bodybuilding im engeren Sinne entstand übrigens erst 1946 in Kanada und damit auf Grundlage der liberalen, demokratischen und kapitalistischen Gesellschaft.

Die Pathologisierung des Bodybuildings als „Bigorexie“ hat zum einen mit der berechtigten Kritik am Doping zu tun, zum anderen mit dem Misstrauen gegenüber dem „Extrem“ als solchen. Doch was ist, wie oben ausgeführt, eigentlich extrem? Wenn ein Geschichtsprofessor zwölf Stunden pro Tag Bücher wälzt und immer noch mehr wissen möchte, gilt das als bewundernswert. Wenn ein Bodybuilder zwei Stunden pro Tag Gewichte stemmt und immer noch mehr Muskelmasse möchte, gilt das als Zwangshandlung.

Vermutlich setzt man voraus, dass Geschichtsprofessoren sich ganz bewusst und aus überaus hehren Motiven für ihre Passion entschieden haben, und zudem eher in der Lage seien, frei darüber zu reflektieren (Zweifel sind da mitunter durchaus angebracht…). Auch gilt die Geschichtswissenschaft als nützlich, Bodybuilding hingegen als narzisstisch. Würden Bodybuilder jedoch beginnen, ihre Praxis intensiver zu reflektieren und gewitzter zu kommunizieren, könnte sich das ändern:

Wir wissen, dass unser Tun kontrollierter Wahnsinn ist, aber das gilt auch für die Theaterszene und das Finanzsystem! Und bei uns kommen wenigstens keine Außenstehenden zu Schaden. Wir liefern uns zwar unseren Körpern aus, aber zumindest keinen obskuren Theorien oder Ideologien. Ja, wir streben nach Macht, doch nur über uns selbst. Und wer Bodybuilding weiterhin als Zeitverschwendung abtut, dem halten wir entgegen: Die Zeitverschwendung ist eine der letzten Bastionen des Widerstands gegen die allgegenwärtige Verwertungslogik!

Mit diesem Souveränitätsbeweis würde sich bewahrheiten, was der Politikwissenschaftler Urs Marti über das Verhältnis zwischen Macht und Freiheit schrieb: „Macht und Freiheit bedingen sich gegenseitig. Je freier die Menschen sind, desto besser vermögen sie Machtstrukturen zu kontrollieren, ihre Auswirkungen zu beschränken, ein Umschlagen in Herrschaft zu verhindern, desto mehr wird umgekehrt Macht zum lustvoll-attraktiven Spiel.

Autoreninformation:

Dr. Jörg Scheller lebt als Kunstwissenschaftler und Journalist in Bern (CH) und Stuttgart. Er lehrt an der Zürcher Hochschule der Künste und an der Universität Siegen. Zuletzt erschien von ihm:

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Jörg Scheller
 

Jörg Scheller lebt als Kunstwissenschaftler und Journalist in Zürich und Stuttgart. Er forscht am Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft und lehrt an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Zuletzt erschien von ihm: No Sports! Zur Ästhetik des Bodybuildings, Stuttgart: Franz Steiner, 2010.

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Alex

Sehr schön reflektiert, mal ein ungewöhnlicher und dennoch fundamentierter Blickwinkel.
So etwas lese ich immer gern. 🙂

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