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D wie Doping – Bodybuilding und die Debatte über unerlaubte Substanzen im Sport

Wenn es um Doping geht, ist der Verweis auf das Bodybuilding als Paradebeispiel für Doping-Exzesse so sicher wie das Amen in der Kirche. Hierzulande trug vor allem die ausführliche und etwas hämische Berichterstattung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ über den Doping-Tod des Bodybuilders Andreas Münzer (1964-1996) dazu bei, dass „Doping“ und „Bodybuilding“ eigentlich nur noch synonym gebraucht werden.

Angesichts der monströsen Auswüchse im Profi-Bereich, wo Körperideale propagiert werden, die faktisch nur mit Hilfe von Anabolika, Wachstumshormonen oder sonstigen Substanzen erreicht werden können, verwundert die Debatte nicht. Schwarzenegger gab übrigens schon in den 1970er Jahren freimütig den Konsum von Steroiden zu – die damals allerdings noch legal waren. Heutige Profis hingegen hüllen sich in Schweigen.

Derzeit rückt vermehrt das Doping im Amateur-Bodybuilding in den Blickpunkt, das ungleich besorgniserregender ist. Während Profis meist mit Experten zusammen arbeiten und so zumindest einer gewissen Kontrolle unterstehen, gibt es diese Kontrolle im Breitensport nicht. Im Internet kann jedermann dubiose Produkte bestellen, die in Hinterhoflabors zusammengemischt werden – über die desaströsen Auswirkungen erfährt die Öffentlichkeit, anders als bei Top-Bodybuildern, zumeist nichts. Wer als Amateur an einem selbstgemischten Doping-Cocktail zugrunde geht, der geht alleine zugrunde.

Allen, die sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen möchten, sei Mischa Kläbers Buch „Doping im Fitnesscenter“ (transcript Verlag, 2010) empfohlen. Es ist zwar sehr akademisch geschrieben und deshalb nicht immer leicht verständlich, bietet jedoch den besten Überblick. Auch Christian Zippels Interview mit dem ehemaligen Mr. Universum Ingo Bolz über seine Doping-Geschichte ist überaus lesenswert: http://www.derwillezurkraft.de/content/der-wille-zur-kraft-meets-doping. Für den Bereich des Spitzensports empfiehlt sich Karl-Heinrich Bettes und Uwe Schimanks gut verständliches Buch „Die Dopingfalle: Soziologische Betrachtungen“ (transcript Verlag, 2006). Hier geht es vor allem um die gesellschaftlichen Faktoren, welche das Doping begünstigen, weniger um den Einzelsportler und dessen psychische Verfassung.

So sehr ich persönlich den Idealen des Natural Bodybuilding verpflichtet bin und neben Proteinen allenfalls Kreatin als Supplement akzeptiere, da es auch auf natürliche Weise im Körper synthetisiert wird, so sehr irritiert mich der Sensationshunger der Medien, wenn es um Bodybuilding und Doping geht. Was ist damit gewonnen, das Doping im Bodybuilding anzuprangern, wenn sich dadurch ohnehin nichts ändern lässt? Fast hat man das Gefühl, als schaukelten sich beide Fraktionen gegenseitig hoch: Je mehr die einen dopen, desto mehr klagen die anderen. Je mehr die einen klagen, desto mehr dopen die anderen.

Arnold Schwarzenegger

Arnold Schwarzenegger

Dass gerade das Bodybuilding im Doping-Diskurs oft im Vordergrund steht, bestärkt den Eindruck, dass um Sensationslust geht: Einem Bodybuilder sieht man an, ob er gedopt hat oder nicht. Er liefert schlicht drastischere Bilder als ein Fussballer. Da fällt es leicht, mit dem Zeigefinger zu wedeln und sich selbst im sicheren Hafen der reinen Vernunft zu wähnen. Überdies hat man es mit einer Subkultur zu tun, bei der anders als im Radsport oder im Fussball weniger Geld und Prestige im Spiel sind. So fällt Kritik noch leichter…

Was Bodybuilding eigentlich ist, wo seine Wurzeln liegen, worin seine vielleicht noch unentdeckten Potenziale bestehen, interessiert dabei nicht. In meinem Buch „No Sports! Zur Ästhetik des Bodybuildings“ (Franz Steiner Verlag, 2010) habe ich deshalb versucht, ein komplexeres, historisch und theoretisch fundiertes Bild des Bodybuildings als Kunstform zu entwerfen.

Selbst wenn das Bodybuilding ein Doping-Sumpf ist, bin ich doch überzeugt: Um etwas zu verbessern, darf man es nicht so schlecht behandeln, wie es ist. Man muss es sogar besser behandeln, als es ist, um neue Perspektiven aufzuzeigen. Man könnte das mit der Erziehung eines Kindes vergleichen. Verweise ich das Kind stets nur auf die Fehler, die es macht, wird seine Entwicklung stagnieren oder retardieren. Gebe ich ihm aber positive Signale, die über den Ist-Zustand hinausweisen, ist Weiterentwicklung möglich. Wenn Bodybuilding also auch in Zukunft nur in negativen Kontexten auftaucht, werden sich sein negativen Seiten verfestigen, werden sich Bodybuilder weiterhin defensiv gegenüber der Öffentlichkeit verhalten und sich in ihre Subkultur zurückziehen. Genauso sollten aber auch die Bodybuilder selbst sich bemühen, ihr Image glaubhaft aufzuwerten.

Doch anstatt Bodybuilding und Doping isoliert zu betrachten, müsste man sich eher fragen: Leben wir nicht in einer Gesellschaft, die systematisch das Doping fördert – in allen Lebensbereichen? Ist Bodybuilding nicht nur die Spitze eines Eisbergs?

Die Finanzbranche dopt mit Derivaten und Zertifikaten. Die Agrarindustrie dopt mit Chemie und Gentechnik. Die Politik dopt mit immer neuen Schulden. Eltern dopen ihre Kinder mit Ritalin. Guttenberg dopte seine Doktorarbeit mit fremden Lorbeeren. Sogenannte „Leistungsträger“ greifen auf Psychopharmaka zurück, um den Wettbewerbsbelastungen standzuhalten. Das Kunstmagazin „sonnendeck“ schrieb deshalb unlängst satirisch:

„Wer täglich seinen Leib, seine Talente, seine Persönlichkeit unter den verschärften Bedingungen neoliberaler Beschäftigungsmodelle und ‚schlankem Staat‛ zu Markte trägt, der braucht geeignete Pülverchen und Pillen, um konkurrenzfähig zu bleiben. […] Die internationale Konkurrenz trinkt auch kein Hahnenwasser oder schnupft Vitamin C. Wer gesehen hat wie Methylamphetamin-befeuerte chinesische Wanderarbeiter ein Hochhaus nach dem anderen in die Höhe wachsen lassen, weiss, dass wir zur Erhaltung unserer Arbeitskraft mit Pilates und Heublumentee nicht weiterkommen werden.“

Worum aber sollte es im Bodybuilding eigentlich gehen? Ich meine: Eben nicht darum, zu einem abstrusen Ideal aufzuschließen, das unendliches Wachstum und ewige Perfektion verspricht. Es nützt nichts, eine kapitalistische Utopie auf den Körper zu übertragen. Jeder Ökonom weiß, dass der moderne Kapitalismus zwangsläufig zyklische Krisen erlebt – möchte man diese auch noch am eigenen Körper erleiden? Figuren wie Ronnie Coleman sind beeindruckende Ausnahmeexistenzen. Sie sollten als solche wahrgenommen werden. Man kann von ihnen lernen, doch man sollte sich nicht mit ihnen verwechseln.

Neben den gesundheitlichen Argumenten, die ja altbekannt sind, scheint mir ein anderer Aspekt besonders wichtig. Er betrifft etwas, das der Philosoph Platon thymos nannte: den Stolz. Platon unterschied drei Seelenteile. Ein Teil der Seele strebt nach Genuss und Wohlgefallen. Das ist das Begehren. Ein anderer Teil verlangt nach Sinn und Rationalität. Das ist die Vernunft. Der Stolz hingegen verlangt nach Anerkennung, Respekt und Unabhängigkeit. Platon räumte dem Stolz dahingehend eine Sonderstellung ein, als er ihm ein Eigenleben attestierte, das unabhängig von Genuss und Vernunft sei.

Vor diesem Hintergrund lässt sich sagen: Wer sich mit dubiosen Substanzen behilft, ganz gleich ob im Finanz-, Agrar-, Politik- oder Körper-Sektor, macht sich psychisch, physisch und finanziell abhängig. Er kann auf sein Werk nicht stolz sein. Aus langjähriger Erfahrung weiß ich, dass es Bodybuildern nicht vorrangig um „Genuss“ oder „Vernunft“ geht. Das macht Bodybuilding ja so interessant und so einzigartig – das Asketische, das Unbedingte, das Radikale, das Manische, eben der Schuss kontrollierter Wahnsinn. Wie aber wollte man Stolz für einen Körper empfinden, den man nicht sich selbst verdankt und für dessen Bewahrung unablässig die entsprechenden Substanzen zugeführt werden müssen?

Was die Subventionen für die Wirtschaft sind, ist das Doping für die Körperkultur. Auf lange Sicht versagen Systeme, die nur subventioniert existieren können. Sie verschaffen nicht diejenige Befriedigung wie ein Blick in den Spiegel, der dem Betrachter bestätigt: Was Du hier siehst, ist sicherlich kein Schwarzenegger. Aber Du siehst etwas, was nur Du, mit den Dir eigenen Mitteln hast erschaffen können, ohne Hilfe, ohne Aufputschmittel, nur durch Deinen Willen, Deine Disziplin, Deinen Ehrgeiz. Dabei ist es irrelevant, ob Du einen Bizepsumfang von 30, 40, 50 oder 60 Zentimetern hast. Relevant ist, ob Du selbst ehrlich stolz darauf sein kannst, nicht die Anderen.

Nicht DER Weg, sondern Dein Weg ist das Ziel.

Autoreninformation:

Dr. Jörg Scheller lebt als Kunstwissenschaftler und Journalist in Bern (CH) und Stuttgart. Er lehrt an der Zürcher Hochschule der Künste und an der Universität Siegen. Zuletzt erschien von ihm:

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Jörg Scheller
 

Jörg Scheller lebt als Kunstwissenschaftler und Journalist in Zürich und Stuttgart. Er forscht am Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft und lehrt an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Zuletzt erschien von ihm: No Sports! Zur Ästhetik des Bodybuildings, Stuttgart: Franz Steiner, 2010.

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Stefan

Hallo,
Bodybuilding ist ein solch schöner Sport. Profis nehmen Anabole Steroide und weiß der Geier was noch alles. Aber warum nehmen Menschen, die nie auf einer Bühne stehen oder Wettkämpfen teilnehmen werden, solche Sachen? Durch Bodybuilding und gesunder Ernährung seinen Körper zu formen sollte doch der richtige Weg und das Ziel sein.

Viele Grüße
Stefan

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Robert

Großartiger Artikel, aus dem richtigen, weil nicht oberflächlichen Blickwinkel. Man ist schon manchmal schockiert, mit welcher Ignoranz gegenüber echten Fakten von der nur scheinbar seriösen Berichterstattungskanzel runtergepredigt wird.Grausam! Dennoch als Fitnesstrainer, der sich seit 30 Jahren in der Fitness und Bodybuildingszene bewegt macht mir die progressive Qualität, mit der im Freizeitbereich mit gefährlichem Halbwissen gedopt wird wirklich Sorge. Meine Gedanken dazu ausführlich hier:http://blog.rorocoach.de/allgemeine-themen-fitness-sport/doping-sieger-gefragt/#more-423

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Thomas Bluhm

Hallo Stefan,

da hast du Recht.
Das Thema Doping ist ein Thema, das viele Diskussionen zulässt.
Ob man als Hobbyathlet dopen muss, ist eine Frage, die man berechtigt anzweifeln kann. Vor allem dann, wenn es unkontrolliert geschieht.

Leider verwechseln die meisten dieser Athleten, dass selbst mit „Unterstützung“ der Weg zum Traumkörper nur über die richtige Ernährung und das richtige Training geht und Doping keine Abkürzung oder kein Ersatz darstellt.

Beste Grüße

Thomas

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